Ursprung der Baptisten

Unsere Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde ist eine ,,Baptistengemeinde“. Das Wort ,,Baptisten“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „untertauchen". Das Wort wird in der Bibel für die christliche Taufe verwendet. Unsere Gemeinde steht damit in der Tradition einer der grössten und ältesten evangelischen Freikirchen, eben der Baptistengemeinden.

Baptisten gibt es seit dem 17. Jahrhundert. 1611 wurde in London die erste Baptistengemeinde gegründet. Die Gründer hatten erkannt, dass nur gläubige Christen zur Gemeinde gehören können und somit auch nur solche Menschen getauft werden dürften. Aber erst durch die Erweckungsbewegung des 18. Jahrhunderts konnte sich der Baptismus in Großbritannien etablieren und wurde die grösste Freikirche des Landes. Der bekannteste englische Baptist war C. H. Spurgeon, ein beliebter Prediger und Leiter der größten Baptistengemeinde in London.

Die meisten Baptisten gibt es heute in den USA. Erster Baptist in Amerika war Roger Williams (1604-83), der Gründer des Staates Rhode Island. Auch er erkannte, dass die Glaubenstaufe von Gott geboten war. Die amerikanischen Baptistengemeinden wuchsen seit dem 18. Jahrhundert stark an. Heute zählt man dort 25 Millionen Baptisten. Dazu zählen ca. 10 Millionen schwarze Baptisten. Ihr bekanntester Vertreter war der Baptistenprediger und Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King.

Baptisten in Deutschland

Der deutsche Baptismus entstand erst im 19. Jahrhundert. Gründer und Initiator war der Kaufmann Johann Gerhard Oncken (1800-84). In Großbritannien hatte Oncken gläubige Christen kennengelernt und war in London zum Glauben gekommen. 1823 trennte sich Oncken vom Kaufmannsgeschäft und wurde Missionar in seinem Heimatland Deutschland. Dort verbreitete er Bibeln und Traktate, besonders in Hamburg und Umgebung. Schon nach wenigen Wochen fanden sich Hunderte von Zuhörern zu seinen Predigten ein. Spätestens bei der Geburt von Onckens erster Tochter stellte sich die Frage nach Gemeinde und Taufe. Durch intensives Bibelstudium kam er zur Überzeugung von der Glaubenstaufe. Im April 1834 wurden die ersten sieben Täuflinge in der Elbe getauft, einen Tag später wurde die erste deutsche Baptistengemeinde gegründet.

Innerhalb von wenigen Jahrzehnten breiteten sich die Baptistengemeinden in ganz Deutschland aus. Während des Zweiten Weltkrieges erwachte der Wunsch nach Einheit mit anderen Freikirchen. Daraus entstand 1942 die Verbindung der deutschen Baptistengemeinden mit den Brüdergemeinden im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden. Heute zählt dieser Gemeindebund 88.000 Mitglieder in etwa 900 Gemeinden.

Grundlagen der Baptisten

Der Baptismus ist eine Gemeindebewegung. Das Ziel heißt: Wir wollen Gemeinde nach dem Neuen Testament bauen. Unter Gemeinde verstehen Baptisten die Gemeinschaft von gläubigen Menschen. Jeder, der Vergebung seiner Sünden empfangen hat, soll verbindlich zu einer Gemeinde gehören. In der Gemeindearbeit wird auf die Mitarbeit aller Gemeindeglieder Wert gelegt. Jeder soll mit seinen Gaben und Fähigkeiten in der Ortsgemeinde mithelfen. Die Gemeindefinanzierung geschieht durch die Spenden der Mitglieder, es gibt keine Kirchensteuer.

Der Baptismus war von Anfang an eine Bibelbewegung. Die Sonntagschulen haben das Ziel, den Kindern biblische Geschichten nahezubringen. Ähnliches gilt für die Bibelstunden der Erwachsenen und unsere Hauskreise. Im Gottesdienst steht die Predigt anhand eines Bibeltextes im Mittelpunkt. Die Auslegung der Bibel soll die Gläubigen dazu führen, ihr Leben nach den Maßstäben Gottes auszurichten.

Die Glaubenstaufe gab den Baptisten ihren Namen. Trotzdem ist die Taufe nicht das Wichtigste in der Gemeinde und sie ist nicht gleichbedeutend mit der Bekehrung. Vielmehr geht bei Baptisten der Glaube der Taufe voraus. Eine Säuglingstaufe wird bei den Baptisten abgelehnt.

Baptisten betonen auch die Weltmission. Jeder Mensch soll von der Erlösung in Jesus Christus hören. Deshalb entstanden schon im 19. Jahrhundert baptistische Missionsgesellschaften. 1954 gründeten verschiedene Baptistenbünde die Europäisch Baptistische Mission (EBM), um die gemeinsame Missionsarbeit zu koordinieren.

Die über 400 Mitglieder unserer Gemeinde und die weltweit 50 Millionen Baptisten sind nur ein kleiner Teil des Volkes Gottes. Gemeinsam mit anderen Christen wollen wir das Ziel erreichen, dass noch mehr Menschen die gute Nachricht von der Erlösung in Jesus Christus erfahren.